Pionierin Swiss Medtech
Die Zeit freiwilliger Klimaschutzmassnahmen ist vorbei. Nachhaltigkeit wird zur wirtschaftlichen Notwendigkeit. Vom Rohstoffabbau über die Produktion bis zur Entsorgung – der Klimaschutz erfasst die gesamte Wertschöpfungskette der Medtech-Branche. Gesetzgeber, Investoren und Kunden fordern messbare Umweltkennzahlen. «Wer diese nicht liefern kann, verliert an Marktanteilen. Das ist längst Realität», sagt Raphael Laubscher, CEO der Laubscher Präzision AG, einem traditionsreichen Familienunternehmen für hochpräzise Drehteile und Systemkomponenten.
Laubscher spricht aus Erfahrung: Schon früh hat er Nachhaltigkeit in seine Unternehmensstrategie integriert. Mit der Treibhausgasbilanz seines Unternehmens legte er die Basis für gezielte Massnahmen: «Die Bilanz ist ein wichtiger Schritt – allein verändert sie aber noch nichts», sagt er. «Entscheidend ist, was danach kommt.» In seinem Unternehmen wurden daraufhin Energieeffizienzpotenziale analysiert, klare Reduktionsziele definiert und konkrete Massnahmen umgesetzt. Seine Erfahrungen bringt er auch in die Verbandsarbeit ein.
Wissen teilen – Branche stärken
Raphael Laubscher engagiert sich als Vorstandsmitglied von Swiss Medtech besonders für die Anliegen der Zulieferindustrie. Für ihn steht fest: «Das gemeinsame Lernen innerhalb der Branche ist essenziell.» Gerade kleine und mittlere Unternehmen stellen sich angesichts der grossen Herausforderung oft dieselbe Frage: Wo fange ich an?
Swiss Medtech liefert darauf nun eine konkrete Antwort – mit dem ersten, spezifisch auf die Medtech-Branche ausgerichteten Dekarbonisierungsfahrplan. Das praxisnahe Werkzeug unterstützt Unternehmen dabei, Klimaschutz gezielt und wirkungsvoll anzugehen. Dass der Verband damit ein echtes Bedürfnis erfüllt, zeigt die jüngste Branchenstudie.
«Wir unterstützen unsere Mitglieder dort, wo es zählt – bei den grossen, wettbewerbsrelevanten Themen», erklärt Adrian Hunn, Direktor von Swiss Medtech. Der Fahrplan sei kein Lippenbekenntnis, sondern ein praxisnahes Instrument: «Wer ihn einsetzt, verschafft sich einen klaren Marktvorteil.»
Grösstes Potenzial: Kreislaufwirtschaft
Die Auswertungen von sieben Pilotunternehmen – darunter auch Laubscher Präzision AG – zeichnen ein deutliches Bild: Nur rund 5 Prozent der Treibhausgasemissionen stammen aus unternehmenseigenen Quellen (Scope 1, z. B. Heizöl) oder aus zugekaufter Energie (Scope 2, z. B. Strom). Der Löwenanteil – 95 Prozent – entfällt auf die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette (Scope 3). Besonders ins Gewicht fallen dabei die Beschaffung von Materialien wie Metallen, Kunststoffen und Keramik sowie der energieintensive Betrieb von Medizinprodukten in Spitälern und anderen Gesundheitseinrichtungen.
Der Dekarbonisierungsfahrplan bietet praxisnahe Ansätze zur Emissionsminderung – von effizienter Gebäudetechnik über den Einsatz erneuerbarer Energien bis hin zu CO₂-armer Mobilität. Die grössten Hebel aber liegen in der Produktgestaltung und in der Lieferkette: Durch intelligentes Eco-Design, recycelbare Materialien und zirkuläre Geschäftsmodelle lassen sich Emissionen messbar und langfristig senken – wirtschaftlich tragfähig und ökologisch wirksam.
Klimaschutz als Marktvorteil
Wer meint, es lohne sich nicht, im eigenen Unternehmen anzusetzen, weil 95 Prozent der Emissionen in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette entstehen, liegt falsch. Erstens ist die Reduktion der Emissionen in Scope 1 und 2 gesetzlich vorgeschrieben. Und zweitens gilt: Wenn jedes Unternehmen entlang der Kette seine direkten und indirekten Emissionen reduziert, sinkt auch der Scope-3-Fussabdruck der Kunden messbar.
«Wer heute handelt, bewegt die gesamte Wertschöpfungskette», sagt Swiss Medtech-Direktor Adrian Hunn. «Nachhaltigkeit im Unternehmen strategisch zu verankern ist kein Nice-to-have, sondern Voraussetzung für den Marktzugang von morgen.»
Mehr zum Fahrplan
Der Dekarbonisierungsfahrplan von Swiss Medtech richtet sich gezielt an produzierende KMU der Medtech-Branche. Das praxisnahe Instrument inklusiv Massnahmenkatalog unterstützt Unternehmen dabei, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und sich systematisch auf wachsende regulatorische Anforderungen und Markttrends vorzubereiten.
Entwickelt wurde der Fahrplan in enger Zusammenarbeit mit Mitgliedsunternehmen sowie der act Cleantech Agentur Schweiz. Das Bundesamt für Energie hat bestätigt, dass der Branchenfahrplan die Kriterien des Förderprogramms von EnergieSchweiz erfüllt.
Swiss Medtech vertritt als Branchenverband der Schweizer Medizintechnik rund 800 Mitglieder. Mit 71’700 Beschäftigten und einem Beitrag von 11,9 Prozent zur positiven Handelsbilanz der Schweiz ist die Medizintechnik eine volkswirtschaftlich bedeutende Branche. Swiss Medtech tritt ein für ein Umfeld, in welchem die Medizintechnik Spitzenleistungen zugunsten einer erstklassigen medizinischen Versorgung erbringen kann.