Medtech unter Druck

Jetzt Standort stärken statt zusätzlich belasten

Über 200 Vertreterinnen und Vertreter der Medtech-Branche aus der ganzen Schweiz reisten nach Lugano, um sich über die aktuellen Entwicklungen auszutauschen. Im Zentrum standen die zunehmenden Herausforderungen im internationalen Umfeld sowie die Frage, wie die Schweiz ihre Position als führender Medtech-Standort behaupten kann. «In Zeiten wachsender Unsicherheiten gewinnen stabile Partnerschaften an Bedeutung – insbesondere die Beziehungen zur Europäischen Union», so Bundesrat Ignazio Cassis in seinem Gastauftritt.

Swiss Medtech Präsident Damian Müller erinnerte in seiner Eröffnungsrede an die traditionellen Stärken der Schweiz wie Rechtssicherheit, unternehmerische Freiheit und eine schlanke Regulierung – sie seien keine Selbstverständlichkeit, sondern müssten aktiv gesichert werden. «Wirtschaft, Politik und Behörden müssen wieder enger zusammenarbeiten. Jetzt braucht es klare innenpolitische Signale für den Standort Schweiz – nicht zusätzliche Belastungen für eine Branche, die bereits stark unter Druck steht.», so Damian Müller.

Bilaterale III für die Medtech-Branche unentbehrlich
Die Europäische Union (EU) ist der wichtigste Handelspartner der Schweizer Medizintechnikindustrie: Rund die Hälfte aller Exporte geht in die EU, und jeder dritte der über 70’000 Arbeitsplätze hängt direkt von Aufträgen aus der EU ab. Eine Umfrage von gfs.bern unterstreicht die Bedeutung der bilateralen Beziehungen: Über 70 Prozent der Medtech-Unternehmen bewerten das Paket Schweiz–EU als wichtig für ihr eigenes Geschäft, über 80 Prozent für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz. «Entscheidend ist für die Branche der direkte Zugang zum EU-Binnenmarkt. Seit dem Abbruch der Verhandlungen im Mai 2021 ist dieser eingeschränkt – mit spürbaren Folgen: die zusätzliche Bürokratie kostet die Branche Milliarden.», sagt Adrian Hunn, Direktor von Swiss Medtech.

Chancen nutzen – Standort stärken
Vor mehr als drei Jahren hat das Parlament den Bundesrat beauftragt, die Rechtsgrundlage so anzupassen, dass neben EU-zertifizierten Medizinprodukten auch solche mit einer Zulassung der US Food and Drug Administration (FDA) anerkannt werden. Damit könnte die Schweiz ihre Attraktivität als Standort gezielt stärken und zugleich die Patientenversorgung sichern. «Doch statt diesen klaren Auftrag als Chance zu nutzen, agieren die zuständigen Behörden zögerlich. Die Arbeiten laufen – mir fehlen jedoch Gestaltungswille, Tempo und Pragmatismus.», kritisiert Damian Müller, Urheber des parlamentarischen Auftrags.

Keine zusätzliche Belastung
Für Unruhe in der Branche sorgt zudem die geplante Einführung einer neuen Abgabe auf Medizinprodukte zugunsten des Heilmittelinstituts Swissmedic. Adrian Hunn äussert sich sehr kritisch dazu: «Das Institut versucht offenbar, seine jüngsten finanziellen Schwierigkeiten auf Kosten der Industrie abzufedern. Das ist der falsche Ansatz. Fehler mögen passieren – sie im Nachhinein der Branche aufzubürden, ist jedoch inakzeptabel.» Die geplante Abgabe beläuft sich auf rund 25 Millionen Franken jährlich und entspricht damit just dem aktuellen Defizit des Heilmittelinstituts Swissmedic.

Swiss Medtech vertritt als Branchenverband der Schweizer Medizintechnik rund 800 Mitglieder. Mit 71’700 Beschäftigten und einem Beitrag von 11,9 Prozent zur positiven Handelsbilanz der Schweiz ist die Medizintechnik eine volkswirtschaftlich bedeutende Branche. Swiss Medtech tritt ein für ein Umfeld, in welchem die Medizintechnik Spitzenleistungen zugunsten einer erstklassigen medizinischen Versorgung erbringen kann.

swiss-medtech.ch