Swiss Medtech spricht sich gegen weitere Sparübungen zulasten der Patientenversorgung aus

Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) führte über mehrere Monate hinweg Gespräche mit ausgewählten Akteuren im Rahmen des Runden Tischs Kostendämpfung. Ziel war es, zusätzliche Einsparmöglichkeiten im Schweizer Gesundheitswesen zu identifizieren. Swiss Medtech hatte trotz Ersuchen keine Möglichkeit, an diesem Runden Tisch teilzunehmen. «Der Verband wurde lediglich am Rande und überhastet konsultiert. Das ist keine echte Einbindung», kritisiert Swiss Medtech-Direktor Adrian Hunn den Prozess scharf.

Damit blieb die Perspektive der Medtech-Industrie weitgehend unberücksichtigt. Dabei trägt die dynamische Branche mit ihren Innovationen und Effizienzsteigerungen seit Jahren substanziell zu einem nachhaltig finanzierten Gesundheitswesen bei. Ihr Kostenanteil an den gesamten Gesundheitsausgaben beträgt lediglich 8,2 Prozent– und ist seit Jahren rückläufig. Der von der OKP finanzierte Anteil liegt noch deutlich tiefer.

Belastungsgrenze erreicht – Patientenversorgung leidet
Die Schweizer Bevölkerung erwartet einen breiten und raschen Zugang zu innovativen und qualitativ hochwertigen Medizinprodukten und lehnt Einschränkungen in der Versorgung klar ab. Dieser Anspruch lässt sich jedoch nicht mehr gewährleisten: Der Versorgungsengpass bei Medizinprodukten in Spitälern und Arztpraxen ist bereits heute alarmierend. Weitere Sparmassnahmen gefährden nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Medtech-Unternehmen, sondern auch die Sicherheit der Patientinnen und Patienten.

Manche Sparmassnahmen stehen zudem im Widerspruch zueinander. Ein Beispiel ist die Ambulantisierung: Sie ist richtig und wichtig. Swiss Medtech unterstützt seit jeher die einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen (EFAS), um die integrierte Versorgung und damit die Versorgungsqualität zu vertretbaren Kosten zu stärken. Doch die geplante Einführung der ambulanten Pauschalen Anfang 2026 gefährdet diese Ziele. Statt die Verlagerung in den ambulanten Bereich zu fördern, wirkt sie in die entgegengesetzte Richtung. Die ambulanten Tarife sind absolut und relativ zu tief. Zudem sind neu auch Implantatkosten und andere Sachleistungen darin enthalten. «Viele Behandlungen im Ambulant-Bereich sind damit nicht mehr kostendeckend. Veraltete Operationsmethoden werden eine Renaissance erleben. Statt moderner Osteosynthese-Platten bei Frakturen werden wieder der alte Gips und Drähte Einzug halten», sagt Adrian Hunn.

Auch Einsparungen bei der Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) sind geplant. Statt die längst fällige Revision voranzutreiben, werden – getrieben von reisserischer Medienberichterstattung – Einzelmassnahmen herausgegriffen. Auch hier fehlt die Gesamtsicht.

Damit die Schweiz auch künftig von einer starken Medtech-Industrie profitiert, braucht es eine Gesundheitspolitik, die Innovation fördert, Planungssicherheit schafft und den fairen Zugang zu modernen Technologien gewährleistet. Nur so kann die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Medizinprodukten langfristig sichergestellt werden.

Die Medtech-Branche ist mit über 70’000 Beschäftigten ein zentraler Pfeiler der Schweizer Wirtschaft und trägt wesentlich zur Stabilität des Gesundheitssystems bei. Ihre Innovationskraft stärkt nicht nur den Wirtschaftsstandort, sondern verbessert tagtäglich die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten. «Damit dies so bleibt, braucht es Rahmenbedingungen, die Qualität, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit gleichermassen berücksichtigen – anstatt die Versorgung durch kurzsichtige Sparmassnahmen zu gefährden», so Adrian Hunn.

Swiss Medtech vertritt als Branchenverband der Schweizer Medizintechnik rund 800 Mitglieder. Mit 71’700 Beschäftigten und einem Beitrag von 11,9 Prozent zur positiven Handelsbilanz der Schweiz ist die Medizintechnik eine volkswirtschaftlich bedeutende Branche. Swiss Medtech tritt ein für ein Umfeld, in welchem die Medizintechnik Spitzenleistungen zugunsten einer erstklassigen medizinischen Versorgung erbringen kann.

swiss-medtech.ch