Worum geht es?
Die Idee eines nationalen Registers mit den Einkaufspreisen von Medizinprodukten – insbesondere von Implantaten – steht im Raum. Der Bund oder beauftragte Dritte würden demnach ein solches Register entwickeln, um die tiefsten, höchsten und durchschnittlichen Einkaufspreise für Implantate anonymisiert zu erfassen und auszuwerten. Begründet wird dies mit dem Ziel, mehr Preistransparenz zu schaffen und dadurch Gesundheitskosten zu senken sowie den Zugang zu Medizinprodukten für Patientinnen und Patienten zu verbessern. Anlass dafür waren Berichte über grosse Preisunterschiede bei orthopädischen und kardialen Implantaten in Schweizer Spitälern.
Position Swiss Medtech
Die Debatte um Gesundheitskosten ist teilweise sehr aufgeheizt. Umso wichtiger ist es, mit Fakten zu einer sachlichen Diskussion beizutragen: Der Anteil der Medizintechnik an den Gesundheitskosten liegt bei weniger als acht Prozent und ist seit Jahren rückläufig.
Die Medizintechnik-Branche anerkennt ihre Mitverantwortung für eine langfristig finanzierbare Gesundheitsversorgung und leistet ihren Beitrag. Ein Preisregister für Medizinprodukte trägt nicht zur Kostendämpfung bei. Es schafft zusätzliche Bürokratie und verursacht Mehrkosten, die letztlich zulasten der Prämienzahlenden gehen.
Swiss Medtech teilt die Ansicht, dass Preise plausibel und nachvollziehbar sein müssen. Dafür braucht es jedoch keine neuen Gesetze, sondern die konsequente Anwendung des bestehenden Rechts. Die Krankenversicherer müssen die gesetzlich vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsprüfung durchführen können; Leistungserbringer müssen dafür alle notwendigen Angaben auf der Rechnung ausweisen.
Argumente
Nicht schon wieder ein Bürokratiemonster!
Es gibt insgesamt rund 500'000 verschiedene Medizinprodukte. Selbst wenn «nur» Implantate in einem Preisregister erfasst würden, wären tausende Produkte zu verwalten. Für Aufbau und Betrieb
eines solchen Registers müssten der Bund oder beauftragte Dritte neue administrative Strukturen schaffen. Die Folge wäre ein erheblicher zusätzlicher Aufwand: Viele Personen in Bundesverwaltung, Spitälern, Medtech-Unternehmen und bei Krankenversicherern wären mit Datenerfassung, Pflege und Kontrolle beschäftigt. Zudem wäre ein solches Preisregister kaum jemals vollständig und aktuell.
Viel Aufwand – sehr begrenzte Aussagekraft
Preisunterschiede lassen sich beispielsweise durch unterschiedliche Einkaufsvolumina sowie durch zusätzliche Leistungen erklären, etwa technischen oder klinischen Support im Operationssaal beim Einsatz komplexer Medizinprodukte. Zudem unterscheiden sich Implantate hinsichtlich Material, Grösse, technischer Ausführung, Indikation und klinischem Einsatz. Diese Vielfalt erschwert direkte Preisvergleiche erheblich. Swiss Medtech teilt die Ansicht, dass Preise plausibel und nachvollziehbar sein müssen. Dafür braucht es jedoch kein Preisregister, die bestehenden gesetzlichen Instrumente reichen aus.
Geltende Gesetze anwenden statt neue schaffen
Gemäss Krankenversicherungsgesetz sind die Leistungserbringer verpflichtet, Rabatte und Rückvergütungen gegenüber den Krankenversicherern offenzulegen, damit diese den Prämienzahlenden zugutekommen. Damit die Krankenversicherer ihre gesetzlich vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsprüfung durchführen können, müssen die Rechnungen zudem alle dafür notwendigen Angaben ausweisen. Werden diese Bestimmungen nicht konsequent umgesetzt, handelt es sich um ein Vollzugsproblem. Ein Preisregister löst dieses Problem nicht.
Die Preise von Implantaten entstehen im Wettbewerb zwischen Herstellern, Distributoren und Spitälern oder Einkaufsgemeinschaften. Kein Hersteller verfügt über eine Marktmacht, die einseitige Preisvorgaben ermöglichen würde. Zudem können Spitäler bereits heute gemeinsam einkaufen und wettbewerbsfähige Konditionen aushandeln.
Klinischer Mehrwert statt reiner Preisfokus
Ein einseitiger Fokus auf den Einkaufspreis greift zu kurz. Medizinprodukte unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihres Preises, sondern auch in Bezug auf klinischen Nutzen, Versorgungsqualität, Zuverlässigkeit und Innovationsgrad. Gleichzeitig entwickelt sich die Medizin zunehmend in Richtung personalisierter Therapien, bei denen Produkte und Behandlungskonzepte stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt werden. Die Behauptung, ein Preisregister würde die Versorgung verbessern, ist nicht stichhaltig. Ein reiner Preisvergleich blendet patientenrelevante Faktoren aus und birgt die Gefahr, innovative Lösungen zu benachteiligen.
Swiss Medtech vertritt als Branchenverband der Schweizer Medizintechnik über 800 Mitglieder. Mit 72’000 Beschäftigten und einem Beitrag von über 10 Prozent zur positiven Handelsbilanz der Schweiz ist die Medizintechnik eine volkswirtschaftlich bedeutende Branche. Swiss Medtech tritt ein für ein Umfeld, in welchem die Medizintechnik Spitzenleistungen zugunsten einer erstklassigen medizinischen Versorgung erbringen kann.