USA prüfen Medtech-Importe
Neue Untersuchung der US-Regierung zu Medtech-Importen
Das Bureau of Industry and Security (BIS) des US-Handelsministeriums hat am 2. September 2025 eine neue Untersuchung nach Section 232 eröffnet. Betroffen sind Importe von persönlicher Schutzausrüstung (PSA), medizinischen Verbrauchsmaterialien, medizinischen Geräten und Medizinprodukten.
Die Bekanntmachung wurde am 24. September zur Veröffentlichung im Federal Register eingereicht und soll am 26. September erscheinen. Ab dann läuft eine 21-tägige Konsultationsfrist, die voraussichtlich am 17. Oktober 2025 endet. Ziel ist es zu prüfen, ob diese Importe ein Risiko für die nationale Sicherheit der USA darstellen wie (z.B. zu starke Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten oder Technologien).
Die Untersuchung bringt zusätzliche Unsicherheit für unsere exportorientierte Branche. Umso wichtiger ist es, dass wir auf höchster Ebene Gehör finden. Unser Präsident Damian Müller steht dazu bereits mit Bundesrat Guy Parmelin in Kontakt. Swiss Medtech ist in engem Austausch mit den zuständigen Behörden und wird sich aktiv in den Konsultationsprozess einbringen. Zu erwähnen ist, dass diese Untersuchung alle Länder betrifft, auch diejenigen, welche schon einen Deal haben.
Betroffene Produktkategorien
- PSA im Gesundheitswesen (z. B. chirurgische Masken, N95-Masken, Handschuhe, Schutzkittel)
- Medizinische Verbrauchsmaterialien (z. B. Spritzen, Katheter, Infusionsbeutel, Nahtmaterial, Laborreagenzien)
- Medizinische Geräte (z. B. Rollstühle, Krankenhausbetten)
- Medizinprodukte (z. B. Herzschrittmacher, Insulinpumpen, Prothesen, Bildgebungsgeräte, Beatmungsgeräte)
- Nicht Teil der Untersuchung: Arzneimittel und deren Inhaltsstoffe – diese sind Gegenstand einer separaten Section-232-Untersuchung, deren Ergebnisse im Oktober erwartet werden.
Hintergrund zur Section-232-Untersuchung
Section 232 ist ein Abschnitt des US-amerikanischen Trade Expansion Act von 1962. Er gibt dem US-Handelsministerium die Befugnis, zu prüfen, ob bestimmte Importe die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden.
Ablauf einer Section-232-Untersuchung
- Einleitung der Untersuchung durch das Handelsministerium (Bureau of Industry and Security, BIS).
- Analysephase, in der geprüft wird, ob die Importabhängigkeit in einem Sektor kritisch ist (z. B. weil zu viele lebenswichtige Güter aus dem Ausland kommen).
- Öffentliche Konsultation, in der Unternehmen, Verbände und andere Interessierte Stellung nehmen können.
- Bericht an den Präsidenten: Das Handelsministerium übermittelt seine Ergebnisse.
- Entscheidung des Präsidenten: Er kann Massnahmen anordnen – typischerweise Zölle oder andere Handelsbeschränkungen – um die nationale Sicherheit zu schützen.
Besonderheit
- Section 232 ist kein normales Handelsschutzverfahren (wie Anti-Dumping), sondern ein Sicherheitsinstrument.
- Es wird von der Regierung politisch eng geführt und kann schnell weitreichende Massnahmen nach sich ziehen.
Mögliche Massnahmen nach einer Section-232-Untersuchung
Zölle
- Die häufigste Massnahme.
- Zusätzliche Zölle auf die betroffenen Produkte, um Importe teurer zu machen und die heimische Produktion zu schützen.
- Beispiel: 2018 verhängten die USA 25 % Zoll auf Stahl- und 10 % auf Aluminiumimporte.
Importquoten oder -beschränkungen
- Mengenmässige Obergrenzen, wie viel eines Produkts pro Jahr in die USA importiert werden darf.
- Ziel: Kontrolle des Importvolumens, nicht nur des Preises.
Ausschlüsse und Ausnahmen
- Die US-Regierung kann einzelne Produkte, Hersteller oder Länder von Massnahmen ausnehmen.
- Diese Ausnahmen müssen meist separat beantragt werden.
Bedeutung für Schweizer Medtech-Unternehmen
- Die US-Regierung stellt nicht den Handel an sich infrage, sondern prüft, ob die Abhängigkeit von Importen im Gesundheitsbereich ein Sicherheitsrisiko darstellt.
- Das Risiko besteht darin, dass bestehende Zölle ausgeweitet oder zusätzliche Hürden für den Zugang zum US-Markt geschaffen werden.
- Quoten können die Lieferfähigkeit einschränken, selbst wenn Nachfrage besteht.